REM

Von Annika Strauss, Sebastian Fitzek

Schlafen. Träumen. Sterben. Thriller-König Sebastian Fitzek und Horror-Queen Annika Strauss: Das neue Bestseller-Duo! Psychothrill meets...

Preis  
€13.99

😴 Schlafen. Träumen. Enttäuscht werden.

🎬 Der Trailer war besser als der Film

Wenn Sebastian Fitzek und Annika Strauss gemeinsam einen Horror-Thriller schreiben, erwartet man: 🎆 Feuerwerk. Beklemmende Atmosphäre. Figuren, die einem unter die Haut gehen. Was man bekommt, ist eher ein Feuerwerkskörper, der nach dem Zündfaden laut zischt — und dann als trauriger Rauchpilz verpufft.

🎙️ „Du darfst nicht einschlafen!“ — Vater Alysees fleht seine vierjährige Tochter panisch an, wach zu bleiben. Sie schläft ein. Er ist tot. Bestialisch ermordet. 💀 Das ist ein Knaller — dramatisch, visuell, emotional. Leider ist das Buch an diesem Punkt auf seinem Höhepunkt angelangt. Von hier an geht es bergab, und zwar so schnell, dass man fast Höhenkrank bekommt.


📖 Die Handlung: Ein Albtraum — aber nicht auf die gute Art

Alysee, nun 25, schläft nur noch alle paar Tage, traumlos dank Schlaftabletten. Als sie erfährt, dass ihr Vater ihr ein altes 🏚️ Hotel vererbt hat, tritt sie das Erbe an — und landet in einem Horrorszenario, das zunehmend den Boden der Realität verliert.

Was als psychologischer Horror-Thriller beginnt, mutiert irgendwo ab Seite 150 zum Fiebertraum eines Drehbuchautors, der zu viele Genres in einen Mixer geworfen hat. 🌀 Wir bekommen: Lost-Place-Atmosphäre, VR-Brillen-Horror, Schlaflabor-Thriller, Science-Fiction, Verschwörungstheorien zu Tschernobyl und der Titanic (ja, wirklich 🤯), eine mysteriöse Behörde à la „Men in Black“, Traumfänger als Plot-Device und schließlich eine Schöpfungsgeschichte mit Wesen in unseren Gehirnen.

Ich wünschte, ich würde scherzen. 😐


🔍 Schwächen im Detail

1. 🎭 Das Finale: Genre-Salat ohne Dressing

Das Ende von REM fühlt sich an, als hätten zwei Autoren unabhängig voneinander geschrieben und sich dann in der letzten Woche telefonisch auf einen Kompromiss geeinigt. Die Auflösung kommt aus dem Nichts, erklärt wenig und hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Ein Leser auf Goodreads fasste es treffend zusammen:

💡 „Das Buch wollte 23 verschiedene Genres und die 38 wichtigsten gesellschaftlichen Brennpunkte gleichzeitig abdecken. Dass das in die Hose gehen musste, war vermutlich vorprogrammiert.“

2. 🪵 Randfiguren aus Pappe

Die Nebencharaktere sind so flach wie ein Badezuber. 🛁 Die Anwältin Emilia Bergmann und der Jugendamtsmitarbeiter Klaus Tarin verhalten sich derart absurd und unglaubwürdig, dass man sich fragt, ob sie aus einem anderen Buch abgeschnitten und hier eingeklebt wurden. Sie dienen einzig als Plot-Gerät, nicht als Menschen.

3. 💉 Brutalität als Ersatz für Tiefe

Wenn die Geschichte nicht mehr weiterkommt, wird es grafisch. Sehr grafisch. „Abartige Ablebensmethoden“ nannte es eine Rezension im Kurier wohlwollend. Der Horror in REM funktioniert wie ein Jumpscare im B-Movie: laut, plump und ohne Nachwirkung. Statt psychologischer Spannung gibt es Körperhorror, der schocken soll, aber eher abstumpft. 😒

4. 👓 Das Somnakular: Cool als Idee, mies als Plot

Die VR-Brille, mit der Träume aufgezeichnet und abgespielt werden können, ist die interessanteste Idee des Buches. 💡 Leider wird sie so wenig genutzt, dass man sie fast vergisst. Statt die Implikationen von Traumtechnologie wirklich auszureizen (Privacy! Manipulation! Identitätsdiebstahl!), wird sie zum magischen MacGuffin degradiert, der genau dann funktioniert, wenn die Handlung es braucht.

5. ✍️ Der Schreibstil: Mal gut, mal „trashy“

Fitzek kann schreiben — das hat er in „Die Therapie“ und „Passagier 23“ bewiesen. Strauss kann Atmosphäre — „Nachtfahrt“ war ein solides Debüt. Aber gemeinsam schwanken sie zwischen solider Prosa und Sätzen, die eher nach Drehbuch-Notiz als nach Literatur klingen. 📝 Die Dialoge sind teilweise so holprig, dass man sie hören muss, um zu glauben, dass sie gedruckt wurden.


📚 Genre-Einordnung: Wie schneidet REM im Vergleich ab?

REM bewegt sich im Feld zwischen mehreren namhaften Werken:

  • 📖 Fitzek-Eigenwerke („Die Therapie“, „Passagier 23“): Fitzeks Solo-Romane haben Stringenz, Tempo und psychologische Tiefe. REM hat keines davon in vergleichbarer Qualität. Es fühlt sich an wie Fitzek auf Autopilot. 🤷
  • 🩸 Josh Malerman („Bird Box“): Ähnliche Prämisse (Angst als Horror-Element), aber Malerman baut konsequent auf und verliert nie den Faden. REM verliert ihn nach Kapitel 10.
  • 🧬 Blake Crouch („Dark Matter“, „Recursion“): Crouch schafft es, Science Fiction und Thriller organisch zu verbinden. REM wirft die Genres in einen Topf und hofft aufs Beste.
  • 🪦 Stephen King („Friedhof der Kuscheltiere“): King kann 1.200 Seiten Atmosphäre aufbauen, die einen um den Schlaf bringt. REM schafft das in 320 Seiten nicht — es fehlt die schleichende Bedrohlichkeit.
  • 🇩🇪 Christian Enders („Nachtalb“): Ein deutscher Vergleich — Enders schreibt Horror mit Tiefe und Wissenschaft, ohne in Trash abzurutschen. REM hätte von diesem Vorbild lernen können.

💬 Ausgewählte Textstellen

🎙️ „Du darfst nicht einschlafen!“ — Ein genialer Einstieg, der leider das Beste im ganzen Buch bleibt.

Die Traumsequenzen schwanken zwischen poetisch („Die Schatten zogen sich wie Tinte durch Wasser“) und unfreiwillig komisch („Das Somnakular summte wie ein todkrankes Insekt“). 🦗

Das Finale: Ohne zu spoilern — wenn man eine Szene mit Traumfängern, einer geheimen Behörde und einem Monolog über die Natur des Bewusstseins in einem Buch über Schlafträume unterbringen kann, hat man entweder Genie bewiesen oder den Plot verloren. Bei REM ist es Letzteres. 📉


🏁 Fazit: Schlafen Sie besser darüber

REM ist nicht schlecht im Sinne von unlesbar. Es ist enttäuschend im Sinne von ungenutzt. 😔 Die Prämisse ist brillant. Die Eröffnung ist stark. Die Atmosphäre im Hotel ist gruselig genug, um die Lichter anlassen zu wollen. 💡 Aber irgendwo auf dem Weg von der großen Idee zum fertigen Roman hat der Zug die Weiche verfehlt.

⭐⭐ 2 von 5 Sternen. Die Sterne sind für die Eröffnung und für die Hotel-Atmosphäre. Alles andere ist enttäuschendes Potenzial.

📋 Empfehlung: Für Fitzek-Fans — lesen Sie es, wenn Sie alles von ihm gelesen haben und nichts anderes mehr im Regal steht. Für Horror-Fans — lesen Sie lieber „Nachtalb“ von Christian Enders oder „Bird Box“ von Josh Malerman. Für alle anderen — behalten Sie Ihre 13,99 € und investieren Sie in einen guten Schlaf. 😴

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