Freiheit
Von Angela Merkel, Beate Baumann
📖 FREIHEIT von Angela Merkel
Rezension: ⭐ 1/5 Sterne
Ein 736-seitiges Denkmal der Selbstgerechtigkeit
🎯 Urteil auf einen Blick
- Sternbewertung: ⭐ (1/5)
- Sprachlich: ❌ Mangelhaft
- Selbstreflexion: ❌ Fehlanzeige
- Unterhaltungswert: 🏎️ Wie Formel 1 ohne Autos
- Empfehlung: 🍺 Nur als dicker Bierdeckel verwendbar
1. 🗣️ SPRACHLICH: Ein Schlafmittel in Buchform
Angela Merkel schreibt so, wie sie Politik gemacht hat: sachlich, nüchtern und mit der emotionalen Tiefe einer Bedienungsanleitung für einen Toaster. 736 Seiten lang. Lassen Sie das einmal sacken. Das sind 736 Seiten Prosa, die klingt, als hätte jemand einen Verwaltungsbericht mit einem Tagebuch verheiratet – und beide Eltern sind unglücklich dabei herausgekommen.
„An den Moment, in dem Horst Köhler mir die Ernennungsurkunde überreichte, habe ich keinerlei Erinnerung mehr, alles verlief wie im Rausch.“
Ah ja. Der historisch bedeutsamste Moment im Leben einer Bundeskanzlerin – und sie hat es verpennt. Wörtlich. So schreibt man keine Memoiren, so schreibt man einen Krankenhausbericht.
Die Sätze sind lang, die Absätze länger, und die Kapitel am längsten. Wer dieses Buch liest, braucht kein Schlafmittel mehr – die Buchseiten selbst wirken sedierend. Die NZZ-Rezensentin Susanne Gaschke nennt den Stil treffend „dröge“. Das ist noch nett formuliert. Es ist, als würde man einem Steuerberater beim Erzählen eines Traums zuhören.
2. 👑 SELBST-
BEWEIHRÄUCHERUNG: Ein Denkmal in 736 Seiten
Das Buch hätte auch heißen können: „Ich und wie toll ich war – eine Bilanz“. Merkel nutzt ihre Memoiren nicht zur Reflexion, sondern zur Legendenbildung. Jede Entscheidung war richtig, jeder Kritiker lag falsch, und wenn etwas schiefging, dann lag es an den Umständen, nicht an der Kanzlerin.
„Ich setzte mich. Niemand außer mir saß auf der Regierungsbank… Das war mein Platz.“
Natürlich war das Ihr Platz, Frau Merkel. 16 Jahre lang. Und das Buch ist im Grunde ein 736-seitiges „Hier steh ich und kann nicht anders“ – nur ohne den dramatischen Unterton, den das Original von Luther hatte.
Der Historiker Andreas Rödder fasst es prägnant zusammen: „Dahinter ist nichts.“ Genau das ist das Problem: Hinter der monumentalen Fassade aus Worten verbirgt sich ein erstaunliches Vakuum an Substanz. Merkel schreibt 736 Seiten und sagt dabei im Grunde: „Ich hab alles richtig gemacht, und wer was anderes sagt, hat’s nicht verstanden.“
3. 🪞 NARZISSTISCHE ZÜGE: „Erste. Das war ich.“
Das ist kein Witz. Das steht tatsächlich so im Buch. Nach ihrer Vereidigung zur Bundeskanzlerin schreibt Merkel:
„Erste. Das war ich.“
Und dann lässt sie diese vier Worte – allein, ohne Kontext, wie ein poetisches Manifest – frei zwischen den Absätzen stehen. Als wären sie ein Kapitel für sich. Als wäre „Ich war Erste“ eine philosophische Erkenntnis auf dem Niveau von Descartes‘ „Cogito ergo sum„.
In Wahrheit ist es der literarische Höhepunkt eines Buches, das im Grunde ein 736-seitiges Selfie ist. Nur ohne den charmanten Duckface. Stattdessen: die Merkel-Raute als Buchdeckel, und zwischen den Deckeln: 736 Seiten „Schaut her, wie bescheiden ich bin, und dabei war ich doch so bedeutend“.
4. 🧱 UNBELEHRBAR STUR: Fehler? Welche Fehler?
Das Buch ist voll von Momenten, in denen man als Leser denkt: „Jetzt kommt die Selbstkritik!“ – und dann kommt sie nicht. Stattdessen verteidigt Merkel jede umstrittene Entscheidung mit der Konsequenz eines Zugs, der nicht von seiner Strecke abweicht.
🏰 Flüchtlingskrise 2015? „Wer geht, ist immer im Unrecht.“ Natürlich. Die anderen sind schuld.
☢️ Atomausstieg? Nichts bereut. Absolut gar nichts.
🇷🇺 Russland-Politik? „Es ging mir darum, nicht die Kräfte in der ukrainischen Regierung zu stärken, die auf eine militärische Lösung hofften.“ Das klingt so, als hätte sie nach der Annexion der Krim erstmal pädagogisch mit Putin reden müssen. Wie eine Lehrerin, die einen schwierigen Schüler ermahnt – während das Klassenzimmer brennt.
Der ehemalige ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat Merkel vorgeworfen, in ihren Memoiren keine Fehler in der Russland-Politik einzustehen. Er hat recht. Das Buch ist ein einziges „Ich hab’s ja gesagt“ – ohne jemals zuzugeben, dass manche ihrer „Sagen“ ziemlich danebenlagen.
5. 📏 LANGATMIG: 736 Seiten, die sich wie 1.472 anfühlen
Das Buch hat 736 Seiten. Das ist kein Memoir, das ist ein Flächenschutzbrief. Man könnte damit einen stabilen Türstopper bauen oder – bei entsprechender Kreativität – als Unterlage für wackelige Tische verwenden. Beides wäre sinnvoller als das Buch tatsächlich zu lesen.
🔄 Wiederholungen? Massenhaft. 🐌 Langatmige Passagen? Von der ersten bis zur letzten Seite. 📐 Spannungsbogen? Fehlanzeige. Das Buch liest sich wie ein Protokoll einer Gemeinderatssitzung, nur ohne die dramatischen Zwischenrufe.
Ein Leser auf Amazon fasst es zusammen: „Dieses Buch ist eine verpasste Chance, die komplexen Jahre ihrer Kanzlerschaft zu beleuchten.“ Richtig. Stattdessen bekommt man 736 Seiten, die klingen, als hätte ein KI-System versucht, einen Wikipedia-Artikel über Angela Merkel zu schreiben, aber die Programmierer hatten die Temperatur auf „langweilig“ gestellt.
6. 🛒 DAS AMAZON-DEBAKEL
Selbst Amazon hat die Rezensionsfunktion für dieses Buch eingeschränkt, weil es „ungewöhnliche Bewertungsaktivitäten“ gab. 57% der Bewertungen gaben ⭐⭐⭐⭐⭐, 31% gaben ⭐. Das ist keine Buchbewertung, das ist ein politischer Stellvertreterkrieg. Die einen lieben Merkel so sehr, dass sie ihrem Buch auch dann 5 Sterne geben würden, wenn es aus leeren Seiten bestünde. Die anderen hassen sie so sehr, dass sie 1 Stern vergeben, bevor das Buch überhaupt erschienen ist.
Das Buch selbst ist dabei gar nicht so wichtig. Es ist ein Symbol, ein Politikum, ein Streitthema – aber kein gutes Buch.
7. 🎯 FAZIT: Freiheit? Eher Fremdheit.
„Freiheit“ von Angela Merkel ist ein Buch, das man kauft, um es ins Regal zu stellen, damit Besucher denken, man sei politisch interessiert. Lesen sollte man es nicht – es sei denn, man hat Schlafprobleme, die sich mit herkömmlichen Mitteln nicht lösen lassen.
Das Buch ist sprachlich schwach, emotional leer, inhaltlich oberflächlich und von einer Selbstgerechtigkeit durchzogen, die ihresgleichen sucht. Merkel schreibt, als stünde sie noch immer auf der Regierungsbank: festgefahren, unbelehrbar und überzeugt, dass alle anderen falsch liegen.
Wer wissen will, wer Angela Merkel wirklich ist, erfährt es aus diesem Buch nicht. Wer wissen will, warum Deutschland so ist, wie es ist, erfährt es auch nicht. Aber wer wissen will, wie man 736 Seiten lang über sich selbst reden kann, ohne dabei irgendetwas Persönliches preiszugeben – der ist hier genau richtig.
⭐ Ein Stern. Verdient.
Quellen: Deutschlandfunk Kultur | Neue Zürcher Zeitung | Die Zeit | RP Online | Nachdenkseiten | Amazon
