Hoffnungslos optimistisch

Von
Dirk Steffens

Krisen sind gefühlt überall. Aber deshalb den Weltuntergang herbeireden? Kommt für den preisgekrönten…
Preis

€20

⭐ Bewertung: 1/5 — Absolut nicht empfehlenswert

Ein dünnes, inhaltsleeres und völlig überschätztes Büchlein, das sich als großer Optimismus-Traktat verkauft, aber in Wahrheit nicht mehr bietet als die sonntägliche Predigt eines Naturmoderators, der meint, mit Sprüchen und Anekdoten die Klimakrise, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunft der Menschheit lösen zu können. 144 Seiten, die man nie wieder lesen will.


🐾 Der Elefant im Raum: 144 Seiten für 20 Euro

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Dieses Buch hat 144 Seiten. Hundertvierundvierzig. Für 20 Euro Hardcover-Preis. Das sind rund 14 Cent pro Seite — und die meisten davon sind mit Marginalien, Leerzeilen und breiten Rändern gestreckt. Ein Taschenbuch-Essay hätte denselben Inhalt transportiert, aber dann könnte man es nicht als SPIEGEL-Bestseller vermarkten. Wer 144 Seiten braucht, um zu sagen, Optimismus ist gut, hat entweder wenig zu sagen oder sehr viel Platz verschwendet.

📝 Zitate, die für sich sprechen

Das Buch öffnet mit der Sentenz:

„Wie nach dem Krieg“, sagt der alte Mann, „da war auch alles kaputt.“

Das soll offenbar als historische Weisheit durchgehen. Ein alter Mann, der den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mit der heutigen Klimakrise vergleicht — als ob die Lösung für das größte ökologische Problem der Menschheitsgeschichte einfach nur Wiederaufbau heißen würde. Das ist keine Analyse, das ist ein Kalenderblatt-Spruch.

Und dann dieser Versuch, Optimismus zu definieren:

„Optimismus bedeutet: ein realistischer Blick auf die Herausforderungen – und dann tun, was möglich ist.“

Das klingt profund, ist aber hohl. Was genau ist möglich? Wer bestimmt das? Steffens lässt es offen — vermutlich, weil eine konkrete Antwort zu viel Arbeit wäre.

📚 Kapitel ohne Zusammenhang

Das Buch springt zwischen Themen wie ein Kanalzapper am Sonntagmorgen: Klimawandel, Deutsche Bahn, Naturdokumentationen, persönliche Anekdoten, Gesellschaftskritik. Keines dieser Themen wird vertieft. Die Kapitel haben für sich genommen bestenfalls Essay-Charakter, zusammen ergeben sie aber kein kohärentes Argument. Es fehlt der rote Faden, es fehlt die Tiefe, es fehlt der Mut, sich wirklich festzulegen.

Die zahlreichen Anspielungen auf die Deutsche Bahn sind besonders befremdlich. In einem Buch, das die Zukunft der Menschheit thematisiert, kommen regelmäßig Zugverspätungen vor — als wäre das das größte Problem der westlichen Zivilisation. Das wirkt wie ein Bemühen um Alltagsnähe, die stattdessen ins Lächerliche abdriftet.

🌿 Die Botschaft: Hoffnung als Allheilmittel

Steffens’ Kernthese lässt sich zusammenfassen: Seid optimistisch, dann wird alles gut. Das ist keine wissenschaftliche Haltung — es ist Wunschdenken. In 144 Seiten schafft es der preisgekrönte Wissenschaftsjournalist nicht, auch nur einen einzigen konkreten Lösungsvorschlag zu machen. Stattdessen: positive Geschichten, inspirierende Beispiele und der Appell, Blumen in die Zukunft zu werfen. Wer bei einem drohenden ökologischen Kollaps Blumen wirft, hat das Prinzip Verantwortung nicht verstanden.

📚 Für wen ist dieses Buch?

Für Steffens-Fans, die seine Terra X-Dokumentationen lieben und seine beruhigende Stimme auch im Buch hören wollen. Für alle anderen: 144 Seiten zu viel. Wer eine fundierte Auseinandersetzung mit der Zukunft sucht, greife zu The Ministry for the Future von Kim Stanley Robinson oder Falten, Risse, Grenzen von Eva von Redecker. Hier gibt es nur warme Luft und Sonntagsreden.


👎 Gesamtbeurteilung

Hoffnungslos optimistisch ist ein Buch, das seinen Titel Programm sein lässt: Man braucht Hoffnungslosigkeit, um es durchzuhalten, und Optimismus, um zu glauben, dass die 20 Euro nicht verschwendet waren. Es ist dünn in Substanz, schwach im Argument und insgesamt absolut nicht empfehlenswert. Ein Bestseller, der zeigt, dass Bekanntheit wichtiger ist als Inhalt.

👎 Nicht empfehlenswert

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